Kritiken

Styraburg Festival Frühling 2016

Styraburg Ensemble spielt Mozart und Pärt
von Christa Grubauer / Volksblatt / 24.04.2016

Dieses Festival rund um die diversen Räume im Schloss Lamberg findet nun im zehnten Jahr statt. Es wurde von Hapé Schreiberhuber als kleines Kammermusikfest ins Leben gerufen und wurde ständig mit internationalen und Wiener Musikern  zu einem „Styraburg Ensemble” vergrößert. Das Jubiläumskonzert am 22.4.2016 fand nun erstmals im wunderbar restaurierten Lambergsaal - dem ehemaligen Pferdestall - statt und man war sehr neugierig, wie hier wohl J. S. Bachs „Kunst der Fuge” BWV 1080  oder das Klavierkonzert Nr. 20 in d-moll von W. A. Mozart (Solo: Nami Ejiri) erklingen wird. Es gab zu recht stürmische Begeisterung im voll besetzten Saal und großes Erstaunen, über den Gast aus der Wiener Staatsoper der  Primaballerina Maria Yakovleva, die zum Andantino grazioso für Cello und Klavier „Der Schwan” von Camille Saint-Saens tanzte.
In der Pause gab es festliche Bewirtung, bevor man sich dem Konzert für Violine und Viola, präpariertes Klavier und Streichorchester von Arvo Pärt (1977) „Tabula Rasa” hingab. Das Styraburg Ensemble steht für Virtuosität und Spielfreude und wurde immer wieder durch Einsatz von Malerei, Tanz und Lichttechnik ergänzt. Im Jahresprogramm findet man eine Kunstwoche, Workshops, Theater, Ausstellungen und Konzerte.

Styraburg Festival Herbst 2015

Souvenir de Florence

von Klaus Hanner, Steyr, per email am 15.11.2015

Danke für die wunderbare „Zeitreise”, die ich beim Styraburg Festival erleben durfte. Die barocke Schlosskapelle bot für mich auch den perfekten Rahmen dafür. Ganz besonders gelungen fand ich die räumliche Inszenierung der Veranstaltung:
Die beiden Protagonisten des Briefwechsels - Peter I. Tschaikowski (Hapé Schreiberhuber) und Nadeshda von Meck (Nicola Trub) - waren weit voneinander entfernt rechts und links im Raum platziert. Die räumliche Distanz, die es zwischen den beiden auch im wirklichen Leben immer gab, wurde überbrückt durch ihre gemeinsame Leidenschaft für die Kunst, für die Musik, repräsentiert durch das Styraburg Ensemble (Mitglieder der Wiener Philharmoniker und Symphoniker) welches uns vor, zwischen und nach den Sequenzen des Briefwechsels mit beeindruckender künstlerischer Qualität die vier Sätze des Streichsextettes d-Moll „Souvenir de Florence” op. 70 vortrug.

Schon nach wenigen Worten des mitreißend vorgetragenen Briefwechsels wurde ich in eine fremde Welt gezogen, wurde quasi zum Voyeur, der dem Gedankenaustausch zwischen Künstler und (Kunst-)Verehrerin bzw. Mäzenin mitlauschen durfte. Gleich einer Brieftaube flog ich im Geist ständig zwischen den beiden Personen und den jeweiligen Schauplätzen hin und her. Waren die Worte für kurze Zeit wieder verstummt, so entführte mich die Musik von „Souvenir de Florence” in den sonnigen Süden, nach Florenz, wo das Streichsextett in seiner Grundfassung entstanden ist. Bisher war „Cappricio Italien” für mich ein anderes großartiges, heiteres Werk von Tschaikowski, welches mich immer schlagartig in südliche Gefilde gleiten ließ.

Abschließend das vielleicht Schönste für mich: Nicola Trub, Hapé Schreiberhuber und dem Styraburg Ensemble ist es gelungen, durch gezielte Auswahl der Briefausschnitte und überzeugenden Vortrag von Text und Musik ständig etwas im Raum schweben zu lassen, was ich als „die künstlerische Seele“ bezeichnen möchte.Nochmals herzlichen Dank für dieses ganz besondere Erlebnis!

Styraburg Festival Herbst 2014

Der Sturz der Möwe
Uraufführung beim Styraburg Festival
von E. V. Rathenböck / Kronen Zeitung / 8.11.2014

Beim diesjährigen „Styraburg-Festival” im Steyrer Schloss Lamberg gab es am Donnerstag eine Uraufführung. Das Schauspieler-Duo Rita Hatzmann und Erich Knoth vom Wiener „Ensemble21” ließ im Stück „Der Sturz der Möwe” die Beziehungstüren knallen. Ein wunderbar kurzweiliges Konversationsstück.
Eine Ehe bröckelt, aus Langeweile und Lebensfrust. In Anspielung auf Anton Tschechows „Möwe” schlüpfen Hatzmann und Knoth in die Rollen von Mascha und Simon, die schon in der russischen Existenzkomödie vorkommen. Die Regie von Michael Grimm baut auf solide Ausführung mit etwas Suspense. Bei den Charakteren der Eheleute (Text Margarita Kinstner) wäre mehr psychologische Raffinesse möglich. Aber die dramatische Spannung steigert sich schlussendlich doch, sodass ein kurzweiliges, sehenswertes Konversationsstück gelungen ist. Es wird übrigens im kommenden Jahr im „Kik” in Ried/I. und in der Linzer „Tribüne” zu sehen sein...

Styraburg Festival Frühling 2014

Das Styraburg Festival präsentierte Rilke und Max Bruch:
Ein romantisches Künstlerduo

von E. V. Rathenböck / Kronen Zeitung / 20.5.2014

Das Styraburg Festival in seiner Frühjahrsausgabe ging am Sonntag mit einer romantischen Matinée ins Finale. Musiker der Wiener Symphoniker und Pianistin Agnes Wolf ließen in Steyr den vergessenen Komponisten Max Bruch neu entdecken. Und der Maler Hapé Schreiberhuber rezitierte dabei Rilke.

Rainer Maria Rilke, progressiver Neuromantiker rieb sich an den Jenseitsvorstellungen des Christentums in seiner langen Gedichtfolge „Christus. Elf Visionen”. Geschult an Nietzsche, fragt er nach Gott in der Welt. Max Bruch, konservativ-romantischer Komponist, wurde während des Nationalsozialismus zum vermeintlichen Juden tituliert und seine Musik verschwand (seit damals) weitgehend aus der breiten Rezeption. Dieses Duo heute über ihre Werke neu zu verbinden, besitzt einen gewissen Reiz. Das Wagnis wurde vom Publikum der gelungenen Matinée im Alten Theater Steyr wohlwollend aufgenommen. In „Acht Stücken” Wolfgang Prochaska (Viola) und Manuel Gangl (Klarinette) von den Wiener Symphonikern sowie Pianistin Agnes Wolf den melancholischen Klangkosmos von Bruch. Mit gedämpfter Elegie kamen sowohl Bratsche als auch Klarinette zu solistischen Höhepunkten. (Das Kol Nidrei von Bruch) und zwei Werke von Robert Schumann schlossen die Klammer. Der Maler Hapé Schreiberhuber, der das Styraburg Festival auch organisiert, machte in seiner Rezitation aus der Rilke-Gedichtfolge „Christus. Elf Visionen” ein gefühlvolles Monodrama, das bewegend durch den aufrührerischen Bildkosmos des Dichters führte. Heftiger Beifall!

Styraburg Festival Frühling 2013

Die Wand im Kunstverein

von Marlene Krisper / Marlen-Haushofer-Literaturforum

Die Wand, von Marlen Haushofer selbstbescheiden als “Katzengeschichte“  eingeschätzt, zählt mittlerweile zur Weltliteratur, wurde zuletzt verfilmt und ist derzeit auf der Bühne zu erleben.
Hapé Schreiberhuber holte Burgschauspielerin Dorothee Hartinger nach Steyr, -von der prunkvollen Feststiege des Burgtheaters in den prunklosen, holzverschalten Raum der Schloßgalerie.  Aber gerade dieser karge Raum erleichtert uns den Zugang zur Geschichte dieser namenlosen Frau, die uns immer mehr in ihr einfaches und zugleich atemberaubendes Leben hineinzieht.
Hartinger konzentriert sich in ihrer selbsterarbeiteten Monologfassung des  komplexen Romans auf wesentliche Auszüge. Sie verläßt sich auf ihre überzeugende Darstellung und auf unsere Vorstellungskraft. Sie ist in  ihrem eineinhalbstündigen Alleingang der Frau  in der Wand verwandt, ja sie wird im Verlauf des Berichtes mit ihr ident.  Mit wenigen Requisiten und treffsicheren Gesten veranschaulicht  Hartinger das neue Leben hinter der fiktiven, unüberwindbaren Wand.  Täuschend ähnlich versteht sie sich auf das Nachahmen von Tierstimmen.
Auf lebhafte, unsentimentale Weise erzählt sie rückblickend/chronologisch über eine radikal veränderte Lebenswelt, so als ob der Tagesablauf als Ackerbäuerin, Viehzüchterin  und Jägerin etwas Selbstverständliches wäre. Es scheint, als verbiete sich Hartinger jeden tragischen oder depressiven Ton, sie verkörpert die Frau hinter der Wand gemäß ihrem persönlichen Wesen: heiter-optimistisch und zupackend. So verkörpert die weiße Krähe am Ende der Geschichte nicht den nahenden Tod, sondern  steht eher für eine neue Aufgabe und Hoffnung.
Das Steyrer Publikum dankte Dorothee Hartinger mit nicht enden wollendem Applaus für ihre großartige künstlerische Leistung.
Und wieder durften wir anschließend die großzügige familiäre Gastfreundschaft genießen, dieses Mal auf der Balustrade des Schlosses.

Zum Bühnenbild „Die Wand”
von Hapé Schreiberhuber

Der Kunstverein in den Schlossgalerien besticht durch seine Holzbauweise und alte Holzböden, und ist ein ehemaliger Getreidekasten zum Schloss Lamberg. Da die Fenster für Ausstellungszecke verschalt worden sind, wirkt der Raum klaustrophobisch und doch wirkt dieser trotz der Größe wie eine Jagdhütte; das Publikum ist "am Geschehen". "Die Wand" ist nicht sichtbar, doch die schlanken Holzsäulen umschließen die modernen Bühnenelemente. Eine Holzleiter führt an die 5-meter-hohe Holzdecke. Die Bühnenwand erscheint weiss und strahlt unangenehm im zuerst blauen, später immer heller werdenden, weissen Licht. Als die Erzählerin "Die Wand" akzeptiert, wird auch eine neue Wand sichtbar, für sie aber unsichtbar: Ein Symbol in Kombination eines Hirschgeweihs und eines Schädels, symbolisiert durch ein Blindenzeichen, wird vom Bühnenboden (Ein Hirschgeweih, am Boden liegend) in Lichtform projiziert, "hochgehängt". Es schwebt ab nun über der Protagonistin. An der Textstelle bei der Entdeckung des toten Mannes verdoppelt sich das Lichtzeichen. Es steht für den Widerspruch des Nichtvorhandenseins der "Wand" und doch gibt es diese; Das Hirschgeweih mit Schädel, symbolisiert auch den Stolz der Trophäensammler in einer Jaghütte, den Tod vom Tier herbeizuführen - wie im Text sinngemäß: in einer Sekunde wird erschossen, aber 20 Jahre werden Kinder großgezogen…bei der Stelle über die Kinder kommt es zu einer weiteren Verdopplung des Lichtsymbols. Der Tod zeigt sich wieder, "Menschen tragen den Tod in sich wie einen Kern einer Frucht: Die Frauen im Schoß, die Männer in der Brust (R. M. Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge)".  Ab nun mehrt sich das Symbol, denn Leben und Tod ist allgegenwärtig.
"Ein zweiter Winter zieht ins Land…die Krähen kommen" - wieder taucht das Bühnenlicht in Blau, die Akzeptanz "der Wand" ist "vollzogen", lebensbejahend tritt die Protagonistin ab.  Das Blau verwandelt sich in Dunkelheit, doch am Ende leuchten die Symbole strahlend weiss im "Jagdhaus". Der Tod ist anwesend. Das Leben geht weiter.
Applaus. Das Publikum strömt zum Licht der Frühlingssonne.

Freuden des 19. Jahrhunderts
von Julia Cicona

Verhaltenes Geflüster in der Schlosskapelle des Schloss Lamberg. Die Klassikliebhaber warten auf das Styraburg Ensemble, Kompositionen von Zeitgenossen Schuberts stehen auf dem Programm.
Der erste Teil des Abends startet mit Clara Schumanns op.17 Klaviertrio. Das Markante dieses Stückes liegt in der Gefühlsbetontheit, sagt das Programm. Das trifft es auf den Punkt. Violine, Cello und Klavier bereichern den Raum. Das Publikum lauscht mit Wohlwollen. Die Musik wirkt nicht schwer, sondern beruhigt und berührt in seiner Stimmung. Ein sehr schöner Einstieg.
Benedict Randhartingers „Grand Trio“ Klaviertrio folgt - und man merkt, welch hohe Präzession hier erfordert wird. Die Art der Spielweise der drei Solistinnen wirkt jedoch mit Leichtigkeit auf das Publikum und lässt ihre Meisterinnen im Glanz ihres Könnens strahlen.
Johannes Brahms Klavierquintett in f-moll gestaltet den zweiten Teil des Abends. Das Quintett formt sich aus Zwei Violinen, einer Viola, eines Violoncello und einem Klavier. Auch zu fünft steht hier kein Ton hinten an. Die einzelnen Stimmen ergänzen sich perfekt. Besonders der 3. Satz sticht mit kraftvollem Ausdruck hervor. Hier wird gespielt, als ginge es um Leben und Tod. Beeindruckend!
Zwei Ansichten von Steyr
Hapé Schreiberhuber nimmt sich im Vorhinein für alle Kunstinteressierten Zeit und lädt in sein Atelier ein. Zwei "Ansichten von Steyr" werden verglichen, die  Interpretation  stammt vom Gastgeber Schreiberhuber. Klar wird, dass die Zeit alle Veränderung in den Händen hält.
Fazit: Wie nicht anders zu erwarten. Das Styraburg ist jeden Cent wert. Ein harmonischer Abend!

Styraburg Festival Herbst 2012

Ein Abend der besonderen Art

von Julia Cicona

Zum ersten Mal in dieser Form angeboten sind die „Styraburg Kostproben“, 6 verschiedene Musiksets im Halbstundentakt, die ein neues Konzept präsentieren.
Von Beginn an zaubern Andrej Prozorov und Milos Todorovski ein zufriedenes Lächeln auf die Gesichter des erwartungsvollen Publikums. Auf gekonnte Weise wirkt ihr Zusammenspiel sinnlich und ruft eine liebliche Melancholie hervor. Doch Künstler beherrschen mehr als nur eine Sprache. Beschwingtheit und Ausgelassenheit vermischt mit Technik und Improvisationen dominieren dann die Stimmung im 2. Set. Man wird in eine Welt voll verzerrter Tonalitäten eingeweiht, die einen aufhorchen lassen. Besonderer Augenschmaus: Trodorovskis Vollbart wie er im Rhythmus erzittert.
Wechselhaftigkeit von Alt und Neu
Anne-S. Enßle und Philipp Lamprecht lassen den Zuhörer in der Zeit zurück ins Mittelalter reisen. Mit Authentizität setzen die beiden starke Akzente, um ihrer Leidenschaft Ausdruck zu verleihen. Enßles Finger fliegen nur so über die Grifflöcher der verschiedenen Flöten, ein Ereignis wie „from outer space“. Eines ist klar: Diese Frau wird die Flötenkunst revolutionieren.
Doch nicht nur alte Musik liegt den Beiden. Bei modernen Stücken wirken vor allem Dissonanzen- Glockenspiele und Metallophone erklingen und üben Faszination aus. Das Duo liefert ein breites Klangspektrum und experimentiert mit Schall, Ton und Timing. Erinnert ein bisschen an Pink Floyd.
Genuss mit allen Sinnen
Besonderheit dieses Abends: Die Sets dauern je 20 min. worauf eine 10 min. Pause folgt. Das Konzept sieht vor ein Set auch einmal auslassen zu können, was von den Gästen umgesetzt wird und somit manchmal einige Stühle frei bleiben. Verständlich jedoch: Im Schlossatelier wird man mit Köstlichkeiten aus der Küche verwöhnt während man ein Glas Wein genießt.
Fazit: Ein Abend für experimentelle Genießer und Abenteurer, die das sinnliche Leben suchen. Einzig wünschenswert wäre die Bemühung um ein breiteres Publikum. Auch ein jüngeres Publikum würden diese Räumlichkeiten genießen.

Styraburg Festival Herbst 2011
von Marlene Krisper / Marlen-Haushofer-Literaturforum, Herbst 2011

Zum fünften Mal jährte sich in diesem Herbst das Styraburg Fest, das Hapé Schreiberhuber ins Leben gerufen hat: ein kleines Jubiläum. Mit Engagement und Konsequenz bietet er den Steyrern ein kulturelles Programm von hohem Niveau: Kammermusik und Jazz vom Feinsten, anspruchsvolle Lesungen, Theaterinszenierungen und Performances. Alle Veranstaltungen sind umrahmt  von Hapés Zeichnungen und Malereien, ja er läßt sich zuweilen durch ein Musikstück zu synchronem Zeichnen auf großer Leinwand inspirieren.
Er verleiht den festlichen Räumen des Schlosses ein familiäres Ambiente, so als ob Freunde zu einem Hauskonzert geladen wären. In den Pausen und am Ende einer Vorstellung ist jeder Besucher Gast in seinem Atelier: ein anregender Ort für nachklingendes Erleben und bereichernde Gespräche.
Auch in diesem Herbst war Ungewohntes zu hören und zu sehen: z. B. Mozarts Requiem als Streichquartett instrumentiert, oder lateinamerikanische Tangomelodien mit irritierender Tanz-Improvisation. Im Rahmen der Jazzmatinée  hörte man Liebesbriefe berühmter Frauen in nuancenreicher Interpretation.

Und Philipp Hochmair: hoffentlich eine bleibende Institution.
Der Burgschauspieler ist seit Beginn des Festivals dabei und prägt mit seiner Darstellung jugendlicher Antihelden der Weltliteratur unser Verständnis für gebrochene Charaktere in existentieller Not. Diesmal als Joseph K. aus Franz Kafkas Roman „Der Prozeß“. Wie in „Amerika“ geht es um das schuldlose Ausgeliefertsein eines Menschen an unbekannte Mächte und den unausweichlichen Untergang. Wie Hochmair sofort die bedrückende Stille erzeugt, wie er das Unbegreifliche realistisch begreiflich macht, wie er vom ersten Wort an jener Joseph K. ist und zugleich Kafka, wenn er sich wie ein von Kafka gezeichnetes Strichmännchen erschöpft über den Tisch legt: das ist großes Kammerspiel, wo der Schauspieler dem Zuschauer ganz nahe kommt, ihn unmittelbar berührt und ins Geschehen einbezieht.


Musikalische Lippenbekenntnisse
von Hanna Pfaffenwimmer, Herbst 2011

Nicola Trub las Briefe berühmter Frauen zur Matinée in der Schlosskapelle, begleitet wurde sie vom Jazztrio rund um Mario Gheorghiu.
Die große Liebe Ingeborg Bachmanns zu Paul Celan, oder die rührenden Botschaften von Carla Wieck an Robert Schumann; Dass diese Worte nach wie von großer literarischer Bedeutung sind, bewies die deutsche Schauspielerin Nicola Trub im Rahmen des Styraburg Festivals in Steyr. Mit dem Charme der jungen Lieselotte Pulver sitzt sie keck auf einem Stuhl, in ihrer Hand lose Blätter Papier. Sie liest die Zeilen nicht nur, sie lebt sie. Jede Emotion, welche die berühmten Verfasserinnen niedergeschrieben haben, kann sie nachempfinden. Vom Himmelhochjauchzen des Verliebtseins, bis zum Schmerz einer entgültigen Trennung. Die Inhalte gehen nahe, auch der Schauspielerin und das merkt man. Nach jedem Brief lässt sie ein Blatt Papier zu Boden sinken. Eine kleine Geste, mit großer Wirkung. Dazu spielt Mario Gheorghius Jazztrio perfekt abgestimmte Lieder. Mal Heiteres zum Mitschunkeln, mal melancholische Balladen, die zum Nachdenken anregen.  Obwohl hier zwei völlig unterschiedliche Kunstformen aufeinandertreffen, bilden Worte und Musik eine Symbiose. Die Akustik der Schlosskappelle intensiviert diese Eindrücke und lässt somit zu, dass dieser Vormittag seinen ganz eigenen Zauber entfaltet und bleibenden Eindruck hinterlässt.


Styraburg Festival Herbst 2010

„Amerika”  von Franz Kafka mit Philipp Hochmair in Steyr 
von Marlene Krisper / Marlen-Haushofer-Literaturforum, 30.11.2010

Zum vierten Mal kam der Burgtheaterstar Philipp Hochmair mit einem Soloprogramm nach Steyr. Nach Büchners „Lenz”, nach Handkes „Untertagblues”, nach Schillers Balladen: dieses Mal Kafkas „Amerika”.
Diese überraschenden Auftritte Hochmairs sind das persönliche Verdienst Hapés, dem es mit seiner Begeisterung gelang, den Künstler für Steyr zu gewinnen.
Hochmair macht keinen Unterschied zwischen Metropole und Kleinstadt, er ist zuallererst sich selbst verpflichtet, und dieser absolute Einsatz seiner Sprache, seiner Emotion und seines Körpers ist immer ein totaler.
Kafkas Roman wird nicht einfach in verkürzter Form gelesen, er wird eindringlich, in der Gleichzeitigkeit mehrerer  Protagonisten vom Solisten Hochmair szenisch dramatisiert.
In Kafkas „Amerika” verkörpert Hochmair Karl Roßmann, den an fremde Mächte ausgelieferten Menschen. Von seinen Eltern wegen eines unglücklichen Vorfalls nach Amerika geschickt, scheint er zunächst als Glückspilz im Haus seines reichen Onkels gelandet zu sein. Er vertraut ihm und dient ihm mit größter Hingabe. Aus unerklärlichem Grund wird er jedoch aus dessen Haus verstoßen, wird in der Folge Spielball verschiedener Autoritäten, verliert aus Gutmütigkeit seine Arbeit als Liftboy, wird von einem miesen Typen ausgenützt und ins Unglück gestürzt.
Hochmair verkörpert all diese Figuren in blitzartigem Wechsel gestisch und  mimisch bis ins kleinste Detail nachvollziehbar.
Allein die Eingangsszene, in der Hochmair nonverbal illustriert, wie er von einem Dienstmädchen in seinem Elternhaus verführt und deshalb nach Amerika geschickt wird, ist große, überzeugende Schauspielkunst, weil Hochmair nicht urteilt, nur zeigt, wie zwingend es war, der Natur nachzugeben. 
Der Schloßkeller mit seinem wuchtigen Gewölbe ist symbolträchtiger Raum für die existentielle Not dieses Karl Roßmann.
Mit der Kargheit eines Bühnenbildes à la „Warten auf Godot” arbeitet sich Hochmair seine Seelenqualen am Fuß eines Sessels ab, mit dem Koffer aus der Heimat seiner Mutter als einzigen Begleiter.
Nach der Vorstellung mischt sich Hochmair, der Star ohne Allüren, in barfüßiger Unbekümmertheit genießend unter die geladenen Zuschauer in Hapés Atelier.


Romantische Lieder ohne Worte
von Michael Wruss / OÖ. Nachrichten / 15.11.2010
http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/art16,505384

Styraburg Fest Steyr: Kammerkonzert mit Literatur des 19. Jahrhunderts (Kapelle von Schloss Lamberg, 13. November)
Der vorletzte Abend des Styraburg Fests Steyr stand im Zeichen der groß besetzten Klavierkammermusik.
Schumanns Klavierquartett in Es-Dur op. 47 ist im berühmten Kammermusikjahr 1842 kurz nach dem bekannteren und aufwendiger gestalteten Quintett in der gleichen Tonart entstanden. Es ist weniger virtuos und harmonisch schlichter, der langsame Satz dafür aber umso innerlicher – wie eine Liebeserklärung, ein Lied ohne Worte an seine Gattin.
Umrahmt wurde Schumanns Quartett von zwei Quintetten, jenem in es-Moll von Johann Nepomuk Hummel und jenem in E-Dur von Louise Farrenc. Nicht nur die Besetzung stellt eine Verbindung her – Louise Farrenc war Schülerin von Hummel am Klavier und als Komponistin.
Mit prickelndem Esprit
Sein Klavierquintett weist mit der Hinzunahme des Kontrabasses eine damals ungewöhnliche Besetzung auf, die sich nicht nur bei Schuberts Forellenquintett wiederfindet, sondern auch beim an diesem Abend erklungenen Werk seiner Schülerin.
Hummels 1802 entstandene Komposition steht noch stark in der Tradition der Wiener Klassik, lässt aber in ihrer virtuosen, spritzigen Anlage neuere Züge erkennen. Die sind bei Louise Farrenc bereits vollends ausgeprägt. Ihr 1840 entstandenes Quintett greift zwar formal auf die Klassik und mit ihren kontrapunktischen Spitzfindigkeiten sogar auf noch ältere Musik zurück, bleibt aber trotzdem dem „guten Geschmack und dem eleganten Stil“ der Zeit verbunden, der sich „vor allem durch die zahlreichen melodischen Einfälle, die sämtlich von köstlicher Frische sind“, auszeichnet – so das treffende Urteil eines Zeitgenossen. Ein wunderbares Stück und auch dementsprechend gespielt.
Das Styraburg Ensemble – Nami Ejiri (Klavier), Yuliya Hauryliuk (Violine), Wolfgang Prochaska (Viola), Elisabeth Zeisner (Violoncello) und Martin Horvath (Kontrabass) – musizierte mit prickelndem Esprit, gutem Gespür für Klangbalance und gelungenem Zusammenspiel und begeisterte ein gar nicht so kleines Publikum.


Großer Ton und feurige Intensität
von Christine Grubauer / Volksblatt / 12.11.2010

Zum achten Mal in Folge findet im Schloss Lamberg derzeit das „Styraburg Fest“ statt. Der Steyrer Maler Hapé Schreiberhuber (*1969) hat für diese Kulturtage von 10. bis 14. November ein Programm mit Musik, Lesungen und einer Vernissage seiner eigenen Werke organisiert.

Im schönen Ambiente der Schlosskapelle demonstrierte zur Eröffnung am Mittwochabend die junge weißrussische Geigerin Yuliya Hauryliuk höchste Interpretationskunst in der Darbietung von zwei „Chaconnen“ (Volkstänzen) von Béla Bartók und Johann Sebastian Bach für Solo-Violine mit großem Ton und feuriger Intensität.

Mitten drin wurde „Alla Ciaconna“ uraufgeführt, ein virtuos angelegtes Solostück mit lebendig-rhythmischen Extravaganzen, von Balduin Sulzer extra für die schöne Violonistin geschrieben. Den zweiten Teil des Abends bildete ein Klavier-Rezital mit dem litauischen Pianisten Vadim Chaimovich, der eine Reihe von Variationswerken von Beethoven, Schubert (op. 142) oder Carl Czerny (op. 12) in bravouröser Manier in den Raum stellte. Vollgriffig und klangsatt spielte er als Höhepunkt die Chaconne von Bach/Busoni aus der Partite BWV 1004.

Für beide Künstler gab es stürmischen Applaus und dann jeweils Zugaben.

Das Styraburg Fest lockt

von Michael Wruss / OÖ. Nachrichten / 12.11.2010
http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/art16,503758

Klein, vielfältig und mit bildender Kunst, Literatur und Musik beachtlich – das Styraburg Fest Steyr (bis 14. November), inszeniert von Hapé Schreiberhuber, trifft mit kluger Programmierung den Nerv der Zeit.
Das betraf auch das Doppelkonzert, welches das bis Sonntag laufende Styraburg Fest eröffnete – mit Kompositionen, die auf dem Prinzip der Variation, der leichten Veränderung des musikalischen Materials, beruhen. Im ersten Teil begegnete man der jungen, aus Weißrussland stammenden Geigerin Yuliya Hauryliuk.
Sie stürzte sich voll und ganz in die Welt der Chaconne und eröffnete den Abend mit einem viel zu selten gehörten Meisterwerk von Béla Bartók, der ein Jahr vor seinem Tod entstandenen Chaconne aus der für Yehudi Menuhin komponierten Sonate für Solovioline. Bartók greift auf die barocke Variationstechnik zurück und presst sie gleichzeitig in einen klassischen Sonatensatz: ein geniales Stück hoch virtuos und lebendig umgesetzt. Davon inspiriert, komponierte Balduin Sulzer „Alla Ciaconna“, einen etwas verbogenen Marsch im Dreivierteltakt, der die Stilmittel der Chaconne aufgreift: ein liebenswerter Satz voll Energie und Spielfreude. Beim Thema Chaconne darf jene aus der d-Moll-Partita von Johann Sebastian Bach nicht fehlen. Yuliya Hauryliuk musizierte mit großem Ton, äußerst sauberer Intonation und stupender Virtuosität. Im Ausdruck sind sicherlich noch Möglichkeiten offen.
Den zweiten Teil bestritt der junge litauische Pianist Vadim Chaimovich mit klassischen Variationszyklen: so Beethovens Variationen über Salieris „La stessa“, bei denen man sich nicht immer sicher ist, ob er das eher einfache Melodiechen karikierte. In diese Richtung ging auch die augenzwinkernde Interpretation. Sicher ernst gemeint ist Schuberts Impromptu op. 142/3, das Vadim Chaimovich brillant, aber etwas kühl vortrug. Die „Variationen über einen Walzer“ op. 12 von Carl Czerny ermöglichen Pianisten, ihre Virtuosität zu zeigen. Das tat der junge Pianist vorzüglich. Als Schluss nochmals Bachs Chaconne in der Transkription von Ferruccio Busoni, der die barocken Stimmverästelungen zu geballter Klanggewalt steigerte: faszinierend und beeindruckend interpretiert.


Styraburg Festival Herbst 2009

Hommage an Schostakovich
von Balduin Sulzer
/ Kronen Zeitung, OÖ, 16.11.2009

Styraburg Festival Steyr mit einer Hommage an Schostakovich, die vom Wiener „Arioso-Quartett” und der Pianistin Nami Ejiri in der optisch angenehm gestalteten und akustisch durchaus tauglichen Schlosskapelle bewerkstelligt wurde. Zunächst das Streichquartett op. 110 mit seiner phasenweise schmerzhaft aufgellenden, teils von in Verzweiflung absinkender Hoffnungslosigkeit geprägten Ausdruckspalette. Und das Klavierquintett op. 57 mit seinen fugatoverspielten Meditationspassagen, dem zauberhaften Scherzo und dem charmanten Finale. Viel Begeisterung!


Das Friedrich Schiller Experiment

13.11.2009, Altes Theater Steyr
von Marlene Krisper / Marlen-Haushofer-Literaturforum

Es gibt so etwas wie Seelenverwandschaft. Diese besteht erlebterweise zwischen Philipp Hochmair und den Stürmern und Drängern, sie wurde ihm in die Wiege gelegt. Und diese natürliche Hingezogenheit nützt Hochmair zur fruchtbringenden Gestaltung. Er braucht da nichts zu aktualisieren. Wie er so ist und barfuß auf die Bühne tritt, macht er es uns leicht zu glauben, daß er vor 200 Jahren  Schillers Freund gewesen wäre, und zwar durch dick und dünn. So kann er uns die Bürgschaft auf einfache Weise glaubhaft machen, nämlich daß Freundeswort absolute Gültigkeit hat und er der Dame den Handschuh ohne Dankesverlangen entgegen geschleudert hätte. Hochmair enthält sich des verführerischen Pathos, läßt Schillers Bildkraft in klarer Sprache auf uns wirken, taucht uns ein in dessen bezwingenden Rhythmus, und wir ergeben uns gerne drein, erinnern uns unserer schülerschen Balladenzeit und freuen uns, wenn wir innerlich so manche Strophe mitsprechen können. Savina Yannatou ist Philipp Hochmair eine ungewöhnliche, kongeniale Partnerin. Im Gegensatz zur klassisch streng strukturierten Form der Schillerschen Ideenballaden bringt sie einen frei improvisierten mediterranen Ton in diese Sprache ein (als Ergänzung oder Kontrapunkt?), der zunächst fremdartig, nicht dazugehörig klingt, uns aber immer mehr in ihre mystische Ausstrahlung zwingt.


Untertagblues von Peter Handke

15.5.2009, Altes Theater Steyr
von Marlene Krisper / Marlen-Haushofer-Literaturforum

Von Jahr zu Jahr erleben die Steyrer mehr, welche Qualität uns Hapé Schreiberhuber vor der Haustüre serviert.
Am 16. Mai 2009 geschah so ein rares  Wunder im Alten Stadttheater. Und die Steyrer kamen zum „Untertagblues” und überwanden die Hemmschwelle zu Peter Handke und zum  angekündigten Anklang an dessen „Publikumsbeschimpfung”.
Der Burgtheaterjungstar Philipp Hochmair machte keine Abstriche für die Provinz; er gab in Steyr alles, was er auch für Wien gibt und gab. Das ist er sich wohl selbst immer wieder schuldig.
Der „junge Wilde”, als der Hochmair gilt und als der er in Handkes Stück agiert, ist zu kurz gegriffen. In der Rolle des schmähredenden Schönheitssuchers, der gegen die allgemein-menschliche Häßlichkeit ankämpft, macht Hochmair sehr sensibel bewußt, daß diese Beschimpfungstiraden sich nicht nur gegen uns, sondern auch gegen ihn selbst richten. Dieses Anrennen gegen eine hoffnungslos häßliche Welt gestaltet Hochmair in einem Balanceakt zwischen grinsend-frech und wehmütig-verzweifelt. Und erwischt uns, das Publikum, immer wieder als Echo, als Mitleidende, Betroffene oder als Rebellierende: in lauten oder leisen Tönen.
Und sein Körpereinsatz!  Er eroberte sich die reduzierte Bühne im Handumdrehen, so als ob sie schon immer seine Spielwiese gewesen wäre: er läuft und tanzt und rappt sich um sein, um unser Leben - immer im Einklang mit seiner seelischen Befindlichkeit - und fast alle laufen mit.
Bibiana Zeller, die ihm zum Schluß als Urmutter eine moralische Kopfwäsche für seinen menschenfeindlichen Schönheitswahn erteilt, ist ihm ein starker Widerpart.
An dieser Stelle hätte ich mir eine differenziertere Reaktion Hochmairs gewünscht, nicht sein einsichtig-beschämtes Schauen, das den Zuschauer fast an ein märchenhaftes Happyend glauben läßt.
Das Quartett des Ersten Wiener Heimorgelorchesters verband und verstärkte die virtuose Leistung des Abends.


Styraburg Festival Frühjahr 2009

Tabula Rasa von Arvo Pärt
Konzert  am 16.5.2009, Schlossgalerie, Dirigent: Wolfgang Hattinger
von Gebhard Alber

Mit Tabula Rasa  ist im Rahmen des Styraburg Festivals ein ganz großes Stück  klassischer Gegenwartsmusik  präsentiert worden. Arvo Pärts von unglaublicher Feinfühligkeit und Ästhetik geprägtes Stück verlangt trotz seiner einfachen Harmonien - oder vielleicht gerade deswegen - den Musikerinnen und Musikern einiges ab.
Es braucht schon ein gehöriges Können und Einfühlungsvermögen, um die spirituelle Botschaft des Komponisten an die Zuhörer weiterzutragen. Der meisterhaften Besetzung bei Hapé Schreiberhubers Fest ist dies in wunderbarer Art gelungen. Wir Zuhörer wurden in eine Art Schwebezustand versetzt, der sich ganz klar in der langen Stille zwischen dem letzten, ausklingenden Ton und dem begeisterten Schlussapplaus manifestierte.


Styraburg Festival Herbst 2008

Lenz von Georg Büchner
Lesung von Philipp Hochmair am 17.11.2008
von Marlene Krisper, Marlen-Haushofer-Literaturforum

Was ich Philipp Hochmair gerne gesagt hätte:
1. Daß Philipp Hochmair in dieser starken Lesestunde vom ersten Wort an Jakob Lenz war, jener empfindsame, von Ängsten und Wahnvorstellungen gequälte Poet, der - zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankend - schließlich unentrinnbar seiner Verstörung erliegt. Daß Philipp Hochmair für uns Zuhörer das Tapetenzimmer ebenso zum unentrinnbaren Raum umfunktionierte (er versperrte ja quasi mit seiner Person den Fluchtweg) und uns dadurch zwang, eine Stunde lang die seelische Not einer menschlichen Existenz mitfühlend zu ertragen. Und daß er diesen sprachlichen Gewaltakt in einem einzigen Atemzug durchhielt.
2. Daß Philipp Hochmair offensichtlich eine seelenverwandte Neigung zu Sturm und Drang hat. Wie wäre es mit Goethes Wilhelm Meister (seiner theatralischen Sendung)? Und daß ich mir wünschte, er hätte einmal eine
heftige Begegnung mit Jean Paul oder/und mit den Kleist'schen Novellen.
3. Daß ich ihm sehr danke, daß er gekommen ist und Hapé, daß ihm dieses Kunststück gelang.


Konzert mit Elena Graf und Nami Ejiri

20.11.2008, Taptenzimmer
von Balduin Sulzer/ Kronen Zeitung, OÖ, 23.11.2008

Styraburg Fest Steyr mit einem Violinabend der Extraklasse: Die junge deutsche Geigerin Elena Graf, technisch perfekt, von phänomenaler Klangkultur und rassig vitaler Musikalität, präsentierte mit der ihr adäquaten Pianistin Nami Ejiri Schuberts Rondo in h-moll, Griegs Sonate op. 45 sowie Schumanns d-moll Sonate op. 121. Eine hinreißende und schlichtweg beglückende Reminiszenz an das Ästhetik-Traumparadies der Romantik.


Hommage an Richard Strauss und Balduin Sulzer

Konzert am 21.11.2008, Tapetenzimmer
von Christine Grubauer


Das mit 4 Konzerten konzipierte „Styraburg Fest” wirft ein neues Glanzlicht auf die Musikkultur der Stadt Steyr. Im kaum bekannten historisch interessanten „Tapetenraum” der Steyrer Burg war  Kammermusik von überdurchschnittlicher Qualität zu hören: die ganz junge Lili Holetschek, die deutsche Elena Graf sowie die Russin Yuliya Hauryliuk - allesamt Geigerinnen der Extraklasse - dazu die mitreißende japanische Pianistin Nami Ejiri.
Am Programm standen hauptsächlich romantische Stücke von Schubert, Grieg, Schumann und klangsatte Stücke von Richard Strauss und charakteristische Piecen von Balduin Sulzer - etwa dessen „Rosenkavalier Impressionen”.
Den Abschluß der Konzertreihe bildete eine vom Initiator Hapé Schreiberhuber passende Jazzmatinée.


Styraburg Festival Frühjahr 2008

3. Performance Hapé Schreiberhuber und Yuliya Hauryliuk
17.5.2008, Gewölbekeller
von Balduin Sulzer

Kronen Zeitung, OÖ, 19.5.2008
Als geradezu exzessive Klanglyrikerin präsentierte sich die junge Geigerin Yuliya Hauryliuk aus Minsk anlässlich des Styraburgfestes im Schlossatelier Steyr. Mit Kompositionen von Massenet, Bloch, vor allem aber mit der „Ciaconne” aus Bartóks Violin-Solosonate vermochte die Künstlerin zu überzeugen: mit ihrem breit strömenden, geballte Kraft signalisierenden Ton, der überragenden Klangkultur, der penibel kontrollierten Intonation und mit ihrer ungehemmt ausschwingenden Emotion. Mit annähernd glückhafter Zielstrebigkeit entwickelte sich auch die zeitgleiche Malerei-Performance des Steyrer Künstlers Hapé Schreiberhuber.


Konzertabend Arioso Quartett

von Elisabeth Zeisner

Das Arioso-Quartett präsentierte am 16. Mai 2008 im Tapetenzimmer des Schlosses eine gelungene Gegenüberstellung von selten gespielten und gehörten Werken (langsamer Satz für Streichquartett von Anton von Webern und das erste Streichquartett von Erwin Schulhoff) und einem berühmten Werk der Streichquartettliteratur: „Der Tod und das Mädchen“ von Franz Schubert. Die beiden Werke des 20. Jahrhunderts waren durch Klangfülle und romantische Tonsprache gezeichnet. Weberns Streichquartettsatz – expressiv und elegisch, ein extremer Gegensatz zu seinen späteren Zwölftonkompositionen; das Streichquartett von Schulhoff bot eine Vielfalt an klanglichen Ausdrucksmitteln, sowohl zarte, berührende Klänge als auch fetzige, jazzige Rhythmen. Die Musiker des Arioso-Quartetts interpretierten diese Werke besonders dynamisch, ausdrucksvoll und lebendig. Nach der Pause folgte das Wunschstück des Gastgebers: „Der Tod und das Mädchen“ von Franz Schubert, die akustische Umsetzung des Themas, das auch den bildenden Künstler Hapé beschäftigt und zu dem gleichnamigen Gemälde inspiriert hat. Der Variationensatz über das Lied, das Schubert nach Matthias Claudius vertont hat, gehört zu den berührendsten und schönsten Sätzen der Streichquartettliteratur. Die musikalische Spannung war spürbar, im intimen Rahmen des Tapetenzimmers hautnah erlebbar. Der warme Streicherklang erfüllte den Raum im pianissimo ebenso wie in den aufwühlenden, lauten Stellen; die gute Akustik des Raumes unterstützte diese Wirkung. 
Nach so einem dichten, packenden Konzertprogramm spielte das Arioso-Quartett die einzig mögliche Zugabe: einen Kontrapunkt aus Bachs „Kunst der Fuge“- die Rückbesinnung auf den Kern, die Überwindung der Emotionen, des Leids, des Todes.